Posts from the ‘Politik’ category

Mal normal sein

Dieser Tage reiben wir uns die Augen. Es ist, als ob im Fernsehen „Tutti Frutti“ plötzlich durch das „Wort zum Sonntag“ ausgetauscht worden wäre, statt Austern und Schampus gibt’s Brot und Butter und nach der wüsten Party in sturmfreier Bude kommen die Eltern zu früh nach Hause zurück: Schnapsleichen schnarchen noch auf dem Sofa, Bierpullen kullern über’s Parkett, es riecht nach Rauch und Alkohol und anderen unappetitlichen Exkrementen. Rums – Tür auf, Frischluft, Aufräumen. Hopp hopp hopp. Und alle, ja irgendwie sind alle erleichtert, aus dem Rausch aufzuwachen. Große Einigkeit in Italien. Jetzt geht’s in die Ausnüchterung. In den Entzug. Weiterlesen…

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Gute Frage

„Mamma? Ist Berlusconi denn zurückgetreten?“

„Jupp!“

„Und jetzt? Ist der jetzt nur noch ein alter Mann?“

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Geschafft!!


Vor zehn Tagen haben wir den selbsternannten Ritter voodoo-mässig angezählt, wie einen Boxer im Ring, der längst taumelt und zu keiner klaren Reaktion mehr fähig ist. DerCountdown lief – und pünktlich am 12.11.2011 tat er uns den Gefallen und spielte mit!

Hier das Lied zum Abschied:

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Voodoo gegen Bunga Bunga: Letzter Tag … und Schluss!

War das ein perfektes timing? Ausgezählt. Am letzten Voodoo-Tag verlässt Silvio Berlusconi um 21.42 Uhr den Palast des Staatspräsidenten Napolitano durch den Seitenausgang. Drinnen hat er seinen Rücktritt eingereicht, draußen jubiliert ein Chor „Hallelujah“. Silvio Berlusconi hat zum ersten Mal ein Versprechen gehalten und ist zurückgetreten. Uff. Pünktlich nach zehn Tagen – soll noch mal einer was gegen Voodoo sagen.

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Voodoo – Tag 3&2

Hatte jemand zum Voodoo Gegenschlag ausgeholt? Aufgrund technischer Probleme fiel Tag 3 des countdown leider aus.

Unterdessen veröffentlichte die Repubblica bereits ein schönes „Best of …“ aus den letzten 19 Jahren – Artikel, Videos und Fotos, damit wir nichts, nichts vergessen.

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Voodoo – Tag 4

Die Mehrheit ist dahin, rette sich wer kann. Aber Berlusconi wäre nicht Berlusconi, wenn er schlicht zurücktreten würde. Am Morgen danach, also nach dem „demnächst-bin-ich-dann-vielleicht-mal-weg“, drehte Berlusconi eine Runde durch Radio und Fernsehen, in La Stampa konnte man bereits ein erstes Interview lesen. Weiterlesen…

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Die Mehrheit ist futsch. Nächste Woche, nach der Abstimmung über den Stabilitätspakt, wird Berlusconi zurücktreten. So trocken klingt das also. Darf man schon feiern? Wo ist der Trick? Sollte es das tatsächlich endlich gewesen sein? Plötzlich breitet sich eine ungläubige Leere aus - ich glaub's erst, wenn er weg ist, wirklich richtig ganz und gar weg. (Bild: il fatto quotidiano)

Voodoo gegen Bunga Bunga – Tag 6

Silvio Berlusconi's signature.

Image via Wikipedia

Was für ein Tag!

9.30 Uhr: Silvio Berlusconi beginnt seinen Tag und verlässt Mailand – Börse bei minus zwei Prozent.

11 Uhr: Der Journalist Giuliano Ferrara, 180 Prozent Berlusconi ergeben und vermutlich sein Ghostwriter, erklärt, Berlusconi wird zurücktreten – Börse im Steigflug.

13 Uhr: Berlusconi dementiert. Börse stürzt ab.

13.30 Uhr: Ferrara präzisiert: Eine Minute nach dem Vertrauensvotum tritt Berlusconi zurück, Wahlen im Januar. Börse krabbelt nach oben.

Seitdem brodeln die Gerüchte, im Netz wird fröhlich getwittert, eine Stimmung wie Sylvester kurz vor Mitternacht, wenn die ersten Raketen zu früh am Himmel leuchten. Zeit also für ein Resümee, ein „best of …“? Vorsicht, Vorsicht, bislang zischelt Berlusconi nur: „Ich bleibe. Den Verrätern will ich ins Gesicht sehen“.

Aber irgendwann werden Politologen, Soziologen, Medienwissenschaftler und Historiker die Jahre des Silvio erforschen und unter diversen Aspekten Antworten suchen auf die Frage: „Wie konnte es soweit kommen?“

Aber auch soweit muss es erstmal kommen, Voodoo hin, Voodoo her. Trotzdem. Eine erste kleine Hilfestellung für all die schlaubergernden Wissenschaftler der Zukunft könnte der „Vertrag mit den Italienern“ sein, den Berlusconi im Mai 2001 live und feierlich im Fernsehstudio bei seinem Lieblingsjournalisten Bruno Vespa unterschrieb. Einer der genialsten Medienstreiche des Cavaliere.

Fehlte nur noch der Siegelring des Cavaliere. Dieser Auftritt, der das letzte Jahrzehnt Berlusconismo stilecht einleitete, dürfte in das kollektive Gedächtnis der Italiener eingebrannt sein. Sollte er am Ende der Legislaturperiode nicht vier der fünf Programmpunkte umgesetzt haben, würde er nicht wieder kandidieren. Versprach Berlusconi. Damals, im Mai 2001.

Kein einziger der frommen Wünsche – ob Steuersenkungen (nie waren die Steuern so hoch wie heute) oder große Infrastrukturmassnahmen (von der Brücke nach Sizilien existiert bis heute nur ein Plastikmodell, aber Milliarden wurden für Planungen und allerlei Gutachten verschwendet) nicht ein einziger holder Programmpunkt wurde bis heute umgesetzt. Aber wenigstens sein allerletztes Versprechen, das könnte er doch nun endlich erfüllen.

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Voodoo gegen Bunga Bunga – Tag 7

Über 100.000 Anhänger der Demokratischen Partei (PD) demonstrierten gestern siegessicher in Rom für eine neue Zukunft Italiens.

Derweil sollen über 20 Abgeordnete von Berlusconi’s „Volk der Freiheit“ die Fraktion verlassen haben (wollen). Was tut B. also an diesem Sonntag Abend? Vermutlich telefonieren. Sich die Abtrünnigen noch einmal persönlich vorknöpfen und charmant Pöstchen versprechen, den einen oder anderen Staatssekretär kann man immer gebrauchen, oder eine finanzielle Unterstützung für den Hauskredit gefällig? Oder eine andere langbeinige Kleinigkeit? Hat ja sonst auch geklappt. Dienstag müssen die Zahlen im Parlament stimmen. Bersani, Vorsitzender der PD, frohlockt bereits. Könnte sich eine schöne Gelegenheit für ein Misstrauensvotum ergeben. Sollten wir Sandsäcke zur voodoo-mässigen Unterstützung aufhängen?

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Voodoo gegen Bunga Bunga – Tag 8

Der Cavaliere sieht nicht wirklich gut aus. Seine engsten Vertrauten haben ihm gesteckt, dass weitere drei Mann von Bord gehen – und das seien vermutlich nicht die Letzten. Die Mehrheit ist dahin. Na bitte: Voodoo wirkt. Doch der wackere Ritter
sagt: „Ich kämpfe weiter, ich hab die Mehrheit!“ Er hängt in den Seilen am Boxring, okay. Sind ja auch erst bei Voodoo Tag 8.

Schon bös‘ angeschlagen war er vom G20 Gipfel zurückkehrt. Nicht nur die EU auch der Weltwährungsfond gedenkt Kommissare zu schicken, die über den Fortschritt irgendwelcher längst nicht beschlossenen Massnahmen wachen, die Italien vor dem Bankrott retten sollen. Berlusconi nennt sie Consultants, wie solche Leute, die auch Unternehmen beraten. Hört sich schnittig an. Nach: „Los Jungs, den Kahn kriegen wir wieder flott!“ Leider nein, tatsächlich werden die Jungs Kontrolleure sein, die den Wirtschaftsminister zum Diktat rufen. Italien ist nicht zu groß, um bankrott zu gehen, aber zu groß, um gerettet zu werden – das wissen auch Merkozy & Co.

Solange Berlusconi nur den Clown gab, haben die verbündeten Kollegen brav mitgelacht. Seit Italiens Staatshaushalt ernsthaft wackelt und mit ihm der Euro, ist auch auf der internationalen Bühne Schluss mit lustig. Die Märkte sind in Aufruhr, verkünden die Reporter aus der Börse mit aufgerissenen Augen, als ob es sich um ein ungestümes Meer handelt. Mögen die Götter oder Kommissare, Consultants, Kontrolettis es mit vertrauensbildenden Massnahme beruhigen. Dem Clown vertrauen nicht mal mehr die Spekulanten an der Börse.

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