… verregnet

... nach dem Regen ist vor dem Regen ....

... nach dem Regen ist vor dem Regen ...

Wir sind die Regenerei satt. Es regnet und regnet und regnet. Seit Tagen. In Süditalien. Das könnte ich ja auch in Hamburg haben,  hab ich heute morgen beim Zeitungsmann gemault. Da hat er gelacht und mir versprochen, heute würde es bestimmt nicht mehr regnen. Das gleiche behauptete gut gelaunt auch die Bäckersfrau, denn der Himmel war noch blau. Wonnig blau und viel versprechend.

Woher nehmen diese Süditaliener bloß ihre freundliche Leichtigkeit, die jeder Wettervorhersage und jeder Erfahrung der letzten Tage widerspricht? Ab mittags – bestenfalls – zieht sich nämlich der Himmel wieder zu und dann schüttet es wie aus Feuerwehrschläuchen. Tag für Tag. Soviel wie es seit 150 Jahren hier unten auf dem letzten Zipfel Italien nicht mehr geschüttet hat, behauptete der Zeitungsmann. Und blickte gutgläubig in den blauen Himmel.

Auf dem Land erinnern viele Olivenhaine an Mangrovenwälder und in der Stadt pflügen die Autos nach dem Regen durch riesige Pfützen. Tunlichst behutsam, denn unter dem Pflaster, ja da lauert das Schlagloch. Und ich rede hier von Schlaglöchern. Von echten Löchern, in denen es nicht nur ein bisschen rumpelt, sondern knallt, dass man unter die Wagendecke hopst. Deren Anblick jedem ADAC-Inspektor einen Herzinfarkt bescheren würden und unserer Lokalzeitung einige Doppelseiten. Mit Fotos von Löchern. Wobei mein deutscher Gatte diese Fotos empörend harmlos findet. Aber ist ja auch kein Traumjob, Löcher fotografieren zu müssen.

Trotzdem wird dieser öffentliche Aufschrei Folgen haben. Der Bürgermeister verspricht eine halbe Million Euro für die Reperatur der Löcher. Ahoi! möchte man ihm zurufen, wüssten wir nicht aus Erfahrung, wie die Löcher gestopft werden. Ab und zu geht jemand mit einem Eimer Teer rum und kleckst die Löcher zu. Und beim nächsten Regen wird der ganze Schmodder wieder rausgespült. Und dann geht wieder jemand rum und kleckst zu. Und so sehen die Straßen dann aus wie Patchwork aus Teer. Irgendjemand verdient mit diesen schwarzen Löchern wahrscheinlich richtig Geld, vor allem nach so einem Jahrhundertwinter – nur leider sicherlich nicht der Zukleckser.

Durchgehende Asphaltdecken, schrieb neulich ein Freund, der vor kurzem aus unserem Provinzstädtchen nach München zurückkehrte, das sei es, was er wirklich jetzt in Deutschland genießen könne. Kann ich verstehen – wir werden demnächst zum dritten Mal die klappernden Gelenkstangen an unserem Auto erneuern müssen. Aber gerade jetzt gucke ich aus dem Fenster und der Himmel hält sich immer noch wacker und bläut selbst mittags noch zwischen den ersten Wolken. Wider jede Wettervorhersage. Und das ist doch auch richtig schön.

2 Antworten zu „… verregnet“

  1. delbuono

    meine liebe, wie schön. jetzt darf ich lesen und du musst schreiben! freue mich sehr über texte aus der alten heimat, der frühkindlichen. habe mir aus lauter sentimentalität einen kleinen alfa zugelegt. vielleicht sollte ich dich damit besuchen… wenn nur die schlaglöcher nicht wären…

    Antwort

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