Lassen wir die allerletzten Skandale seit dem Sommer einfach mal liegen – es ging um Korruption und Klüngelei, Zuhälter, Huren und deren „Endverbraucher“ (das Copyright für die Verwendung des Wortes liegt in diesem Zusammenhang bei Berlusconis Anwalt Gheddini), es ist alles nachzulesen in abgründigen Abhörprotokollen und, um es kurz zu machen: der Endverbraucher ist noch immer Ministerpräsident von Italien. Und mit ihm seine Sippschaft im Parlament und außerhalb.

Basta, basta, basta. Die Börse im Sturzflug, die Regierung im Koma, Italien kurz vorm Bankrott. Titanic war die Kaffeefahrt gestern, heute wetzen Spekulanten ihre Messer und drohen den Kutter entgültig zu versenken. Gewerkschaften und Industrieverbände stehen Schulter an Schulter an der Reling und brüllen nach den Rettungsbooten, die die Regierung endlich zu Wasser lassen möge. Die Oppositionsparteien von links bis liberal sind bereit, eine Übergangsregierung zu bilden, um Wirtschaftsreformen und ein neues Wahlgesetz zu beschließen – sofern Berlusconi von Bord geklettert ist. Sogar auf der Kommandobrücke und bei den Matrosen vom „Volk der Freiheit“ rumort man was von Meuterei, dazu grumpfelt Wirtschaftsminister Tremonti (immer noch im Amt): „Das Problem bist du, Silvio“.  Dem widerspricht niemand mehr ernsthaft. Nur Käpt’n Silvio selbst wähnt sich offenbar noch immer auf einem der Kreuzfahrtschiffe, auf denen er früher lustige Liedchen trällerte.

Was tun? Berlusconi zum Rücktritt auffordern, drängeln, schubsen? Na ja. Kein wirklich neuer Vorschlag, zart gepudert mit Naivität. Man möge nicht unterschätzen, dass der Cavalliere seine Schlachten und Prozesse längst nicht gewonnen hat. Dann ist da noch sein Traum, Staatspräsident, also quasi heilig gesprochen, zu werden, und nebenbei sichert der Job ihm und seiner Mischpoke ein sattes Leben an der frischen Luft.

Also, ein Putsch? Demokratie hin und her, in Deutschland empört man sich ja gerne darüber, dass diese Italiener sich immer noch ihren Silvio leisten, auch wenn ihn vor allem die Nichtwähler gewählt haben. Aber er wurde gewählt. Demokratie wird das gemeinhin genannt. Und so hat er inzwischen mehr ausgesessen als Helmut Kohl und bastelt derzeit garantiert an keinem Reformpaket, sondern seinem nächsten comeback.

So what? Wie wär’s mit Voodoo? Püppchen basteln, Flüche murmeln, ihn ins irgendwohin wünschen (… die Gedanken siiihhhiiind frei …) und diesen Ort Tag für Tag visualisieren? Nicht schlecht, haben schon weniger originelle Methoden versagt. Also, warum nicht mutig voran und ihn voodoo-mässig anzählen wie einen Boxer im Ring? Heute ist Tag zehn.