Posts tagged ‘Kinder’

in memoria …

ApresepePentema 339nfang Januar, irgendwo im ligurischen Appenin, eine ziemlich kurvige halbe Stunde vom Meer entfernt: aus dem Tal über einen Pass mit spektakulärer Aussicht auf Mittelmeer und Seealpen. Das schmale Asphaltband  kräuselt sich waghalsig in scharfen Kurven und wo es endet, dort verkrümelt sich ein Dorf zwischen Wäldern und verwilderten Terrassenfeldern – Pentema.

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… vollgestopft

Freundliche Familie sucht freundliche Wohnung ...

Freundliche Familie sucht freundliche Wohnung ...

Wohnung suchen ist anstrengend. Gelinde gesagt. Insbesondere, wenn du sechs Jahre lang beschaulich, und vielleicht auch etwas gelangweilt, in der barocken Kulisse von Lecce gelebt hast. Dann fällt Genua wie ein Monstrum über dich her. Laut, chaotisch, eng. Vorne das Meer, hinten die Berge, dazwischen eine Großstadt. Genua ist vollgestopft mit Häusern, vor allem mit hohen Häusern und immer den Berg rauf. Der Hauseingang kann deshalb auch mal im 5.Stock sein, der Fahrstuhl bringt dich und deine Einkäufe dann runter ins Erdgeschoß. Genua ist dreidimensional. Das musst du erstmal kapieren und durchdringen.

Wir suchen beispielsweise eine Straße, wähnen uns laut Stadtplan fast da, parken. Gleich rechts und nochmal rechts, da muss es sein, denken wir Flachländer. Weit gefehlt. Nicht mal eben um die Ecke, sondern da oben! Serpentinen hoch und rum und nochmal rum oder zu Fuss Treppengänge Richtung Himmel stapfen. Ungeahnte Höhenmeter, die der Stadtplan nicht erwähnt. Da oben soll die begehrte Wohnung mit Garten sein. Zwischen roten gesichtslosen Wohnblocks. Einer neben und unter und über dem anderen. Die Wohnung ist im Erdgeschoss, ziemlich finstere 120 Quadratmeter  mit Gittern vor den Fenstern. Der Garten, na ja, ein Streifen Grün drumrum. Der Makler murmelt was vom „kleinen Paradies“, unser 10jähriger Sohn  mault: „Das hab ich mir aber anders vorgestellt“. Tatsächlich passt nicht mal im Traum ein Basketballkorb ins Paradies rein.

Wurde das Thema Wohnungsuche eigentlich in der Fachliteratur über Familientherapie behandelt? Sollte ein Klassiker sein wie Nähe und Distanz in der Paartherapie. Wer braucht wieviel Platz und wie eng mögen wir aufeinander hocken? Brauchen wir ein oder zwei Bäder? ZWEI! Ein oder zwei Kinderzimmer? Besser zwei, um die geballte Jungs-Energie zu bändigen, getreu dem Motto „Teile und herrsche“. Ein Büro für mich – darf Roman da auch seinen Schreibtisch reinstellen? Und vollmüllen? Könnte es nicht gleichzeitig Gästezimmer sein? Abstellraum? HILFE! Wer hat welche Bedürfnisse nach Spiel- und Sportplätzen, Cafes, Buchläden und Kino? Wie sieht’s mit der „Bodenhaftung“ der Wohnung aus? Eine Wortschöpfung von Roman, der auch dafür zuständig ist, also: gibt es Keller, Platz für Fahrräder oder gar eine Garage, in der seine „kleine, dicke Italienerin“, die olle Motoguzzi, behaglich Öl tropfen darf? Ich bin dagegen für das allgemeine Ambiente zuständig. Schwarze Fußböden zum Beispiel – ja, siehst du das nicht? Warum siehst du das nicht? Überall schwarz! Ist ein Garten mit Zitronenbaum wirklich lebenswichtig oder tut’s auch ein Balkon mit Blick in Nachbar’s Garten? Die Sache ist also hinreichend komplex, jeder Psycho dürfte sich die Hände reiben.

Wir fahren einfach Richtung Osten aus Genua raus. Solange, bis es aufhört mit den Wohnblocks und anfängt mit dem Grün zwischen den Häusern. Immer am Meer lang, allein der Blick auf’s Blau entspannt. Ich denke, mit Meerblick wohnen, was für ein Luxus. Das dürfte in dieser Stadt am Berg und am Meer doch nicht unmöglich sein? Plötzlich ist Genua schon zu Ende und Bogliasco ist da. Ein Dorf am Meer mit einer Bucht, in der eine Strandbar hockt, mit orange-rot angepinselten Häusern – Meerblick fast unvermeidlich – und Bahnanschluss nach Genua. Hier zu wohnen, das wäre schon unverschämt schön. Oder zumindest in der Nähe. Wir verträumen eine Mittagspause und den halben Nachmittag in der Strandbar (köstlichste Pasta mit Meeresfrüchten! Dazu ein frischer Weißwein, leicht frizzante, aah das ist doch Italien!) Zumindest wissen wir jetzt schon mal, wo wir unsere neue Hütte suchen.

Zurück in Lecce, ohne Mietvertrag in Genua. Aber wir freuen uns schon ein kleines bisschen. Auf den Meerblick und das Grummeln einer großen Stadt.

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… magico, Papa!

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Dies ist Mago Papa. Seit sechs Jahren hängt er an unserer Kühlschranktür, fast solange, wie wir in Lecce sind. Kolya hat ihn zur ersten Festa del Papa aus dem Kindergarten mit nach Hause gebracht und dazu ein zauberhaftes italienisches Gedicht zu Ehren seines Roman-Papa. Davon ahnten wir allerdings nichts, bis Kolya leise am Eßtisch irgendwas vor sich dahin brummelte. Roman und ich guckten uns an. Was spricht der Junge da? Der Junge sprach etwas lauter. Und er sprach italienisch.

Wir waren gerührt. Und stolz natürlich. Aber auch ein bisschen neidisch, denn unser damals vierjähriger Sproß hatte innerhalb von drei Monaten mal eben italienisch gelernt, während wir Eltern immer noch unsere Zungen weich spülten, um unser spanisch so ähnlich wie italienisch klingen zu lassen. Die Italiener um uns herum, fanden das höchst unterhaltsam, lobten uns, luden uns zum Essen ein und wir mühten uns weiter. Und mühen uns manchmal heute noch.

Kolya’s italienisch erschien uns dagegen magisch. Da saß plötzlich ein kleiner blonder Italiener vor uns. Unser Sohn. Zuhause sprechen wir deutsch – in jeder Hinsicht – und vom Kindergarten, seiner italienischen Welt da draußen, erlebten wir ja nur das morgendliche Ciao von zia Deborah oder zia Vicenza, von einer der Tanten, wie sich die Kindergärtnerinnen nennen: juchzend und strahlend wie ein Sommertag begrüßten sie den kleinen biondino, gerne auch mit Küßchen und Knuddeln, als ob die Tante ihren Lieblingsneffen grad drei Wochen nicht gesehen hatte. Jeden Morgen. Aus vollem Herzen. So lernt sich eine Sprache schnell.

Und so hängt Mago Papa immer noch an unserer Kühlschranktür hinter der sich mittlerweile immer ein großes Stück Parmigiano befindet und gerne auch Mozzarella und pikante Salami und ein Rest Tomatensugo und was man halt so braucht als Zuwanderer mit deutschem Hintergrund. Beispielsweise Papa-Roman’s Bier, gebraut nach deutschem Reinheitsgebot.

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