Es ist die Woche des Berlusconi. Am Mittwoch, dem 6. April beginnt Rubygate, der Prozess, in dem der Premier wegen Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger angeklagt ist. Könnte man ja denken, allein die Anklage reichte für einen Rücktritt. Oder die Tatsache, dass niemand leugnet, dass Berlusconi auf der Polizeiwache in Mailand angerufen und um die Freilassung von Ruby gebeten hat, als die Minderjährige wegen Diebstahl festgenommen worden war. Die Signorina sei die Nichte von Mubarak, erklärte der Premier. Da lachte später ganz Italien drüber. Berlusconi winkte ab – Halt stop! Das war jetzt grade kein Scherz! Seine Mehrheit im Parlament bekräftigte also: Berlusconi habe mit diesem freundlichen – aber doch ziemlich bestimmten – Anruf nur eine diplomatische Krise zwischen Ägypten und Italien verhindern wollen. Im Ernst, ohne rot zu werden.

Also, alles kein Grund zum Rücktritt, weder die unappetitlichen Details über Bunga Bunga Parties, noch die Tütchen, wohl gefüllt mit 500 Euro Scheinen, die die Mädchen nach eleganten Abendessen und sonstigen Vergnügungen mit nach Hause nahmen, vorzugsweise in eines der Appartments, für die Berlusconi die Miete zahlte. Eine Art Harem im Hochhaus. Dazu all die Protokolle von abgehörten Telefongesprächen, die wir mittlerweile sämtlich rezitieren können – es wird in dieser Woche noch einmal alles alles aufgekocht werden und Berlusconi wird wieder schnarren: alles erfunden, nichts als Vorverurteilungen der linken Presse, bin ein Verfolgter der roten, kommunistischen Richter aus Mailand … Angeblich will er persönlich im Gerichtssaal erscheinen. Den Prozess leiten übrigens drei Frauen und es wurde bereits gemunkelt, ob weibliche Richter nicht voreingenommen seien … wurde diese Frage jemals bei einem männlichen Richter in einem, sagen wir nur mal, Vergewaltigungsprozess, gestellt? Egal, Er wird gegenüber den drei Frauen und dazu noch der Staatsanwältin Ilda Boccadissini, die die Ermittlungen leitete,  seine Ehre verteidigen. Es riecht schwer nach ganz ganz großem Kino. Allein die Zeugenliste der Verteidigung verspricht schon einen roten Teppich: George Clooney, Elisabetta Canalis, Cristiano Ronaldo. The show must go on.