Eigentlich, eigentlich wollte ich mal nicht über den Cavaliere schreiben, sondern über diese seidigen Frühlingstage Anfang April, den azurblauen Himmel, meine Tomatensamen, die auf der Terrasse sprießen, aber … Es gibt Tage, da lese ich die Zeitung mit einem stillen Seufzer und gehe zum Alltag über. Und andere, an denen bin ich erbost. So ein Tag ist heute.

Nach tumultartigen Diskussionen im Parlament wurde gestern Abend die prescrizione breve durchgeboxt, das Gesetz, das verkürzte Verjährungsfristen vorsieht, die vor allem einem nützen: Signor Berlusconi, der sich mit vier Prozessen herumärgern muss. Er befinde sich „im Krieg“, erklärte der Premier mal wieder, im Krieg mit dem Justizsystem. Das sei wie ein Krebs, der Metastasen gebildet habe. Und er, der Cavaliere, werde Italien davon befreien. Ein Heiler gleichsam – Arroganz der Macht ist ein freundlicher Ausdruck dafür.

Vor dem Parlament lasen Familienangehörige die Namen ihrer Toten vor. Opfer aus L’Aquila, wo das neu gebaute Studentenheim beim Erdbeben vor zwei Jahren zusammenkrachte, weil die Bauvorschriften vermutlich nicht eingehalten worden waren. Oder aus Viareggio, wo in der Nähe des Bahnhofs ein Waggon mit Flüssiggas explodierte und 32 Menschen in einem Wohngebiet lebendig verbrannten. Wer für diese und viele andere Todesopfer verantwortlich ist, wird möglicherweise niemand mehr aufklären können. Ab in den Papierkorb mit dem Prozess. Wupp weg – war da was?

Übrigens hat es heute geschüttet und gedonnert, ein launischer Apriltag.