Posts tagged ‘festa’

Notte della Taranta 2014

NotteDellaTarantaFalls Ihr gerade im Salento Urlaub macht und wissen möchtet wie sich der Soundtrack vom „Tanz der Tarantel“ anhört und anfühlt, dann seien Euch wärmstens die 15 Konzerte der „Notte della Taranta“ auf 15 verschiedenen Piazze im Salento ans Herz gelegt. Hier das Programm. Weiterlesen…

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Pizzzica – neu aufgelegt

NotteDellaTarantaTamburinOh Santu Paulu meeeuuuu te le tarante …. in diesen Sommernächten singt und trommelt es wieder von den salentinischen Plätzen. Nacht für Nacht, in irgendeinem Dorf tritt immer eine Pizzica-Truppe auf. Weiterlesen…

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Am Sonntag mal in bici?

Genueser Radler am nationalen FahrradtagGestern war Sonntag. Und? … Muttertag! Ja, natürlich, das auch und deshalb war es leider absolut unmöglich sich mit italienischen Freunden zu verabreden, was am Sonntag, zumindest vor 17 Uhr, ohnehin eine delikate Angelegenheit ist, denn am Sonntag gibt’s Mittagessen bei den Eltern, respektive Schwiegereltern, und am Muttertag, der festa della mamma!, sowieso. Keine Chance also Weiterlesen…

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„Vereinigen wir uns, lieben wir uns!“

„Brüder Italien’s, Italien hat sich erhoben“, singt heute ganz Italien und feiert die 150 Jahre junge Einheit des Staates nach Jahrhunderten der Zersplitterung und Fremdherrschaft. Den Text der Nationalhymne schrieb der patriotische Student Goffredo Mameli aus Genua. Die „Mameli“  wurde 1847 zur Hymne des Risorgimento, der aufständischen Bewegung zur Einigung Italiens. Ganz Italien singt und feiert am 17. März? Nein, nicht ganz Italien.

Schon während der Vorbereitung zum Fest kam bestenfalls gedämpfte Partystimmung auf. Die Lega Nord will sich nicht wirklich mitfreuen, denn was hat der Norden mit der Einheit Italiens am Hut, mit den armen Schluckern im Süden, mit den „Räubern aus Rom“? Gut einige Abgeordnete und Minister der Lega Nord sichern die Mehrheit der nationalen Regierung. Ohne ihre Stimmen, wohlgemerkt: einer Regionalpartei, könnte Berlusconi schlicht einpacken. Das hat natürlich einen Preis, mit denen sollte er es sich also besser nicht verscherzen. Während in Italien also grün-weiß-rote Flaggen vor Fenstern und Balkonen flatterten, schwenken im Norden viele Freunde der Lega die grüne Flagge von Padania, einem zukünftigen Kleinstaat am Flußlauf des Po. Zwar wurde auch im Regionalparlament der Lombardei eine Feierstunde zu 150 Jahren italienischer Einheit abgehalten, aber müssen sich der Vizepräsident der Region und seine Parteifreunde von der Lega die Nationalhymne wirklich antun und im Parlament mitträllern?

„Es vereinige uns eine einzige Flagge, eine Hoffnung: Auf dass wir verschmelzen, wofür die Stunde hat schon geschlagen“. nach derlei Gesang war den Herren, die stets mit grünem Tüchlein im Anzug auftreten, am Dienstag morgen offensichtlich nicht. So ganz und gar nicht. Sie verließen demonstrativ entspannt den Plenarsaal und stärkten sich in der Bar bei Capuccino und Brioche. Dabei stammten die meisten Freiheitskämpfer, die sich damals Garibaldi und der Bewegung der Einigung anschlossen vor allem aus … ja, woher wohl? Aus Norditalien. Und die „Mameli“, die später Nationalhymne wurde, war seit 1847 ihr Kampflied.

Daran erinnerte kürzlich Roberto Benigni als er den Italienern auf dem Schlagerfestival in San Remo bei maximalen Einschaltquoten eine fulminante Geschichtsstunde verpasste. Benigni rezitierte die „Mameli“ und erzählte den Italienern von ihrer Revolution. „Vereinigen wir uns, lieben wir uns. Die Einheit und die Liebe offenbaren den Völkern die Wege des Herrn“, so singt das Volk. Mit der Liebe sei es wie mit dem Tod, meinte Benigni: Entweder man ist tot oder nicht. Ein bisschen Tod gibt es nicht. Entweder man liebt. Oder eben nicht.

So sang Benigni zum Abschluss die Mameli.

 

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… eine Schatzkiste

Was ich vermissen werde … wir haben zwar immer noch keine Wohnung in Genua – grad habe ich mit einer Maklerin telefoniert, die ein 140 m2 großes Haus am Meer vermietet – ach, was sage ich Haus am Meer, ein Traum, ein Schiff, das an der ligurischen Felsküste vor Anker liegt, sofern man den Fotos im Internet glauben darf. Alles weiß, dazwischen große Fenster, gleichsam lichte blaue Quadrate in weißen Mauern. Eine Terrasse wie eine Schiffsreling. Die Romanze kostet, na? 3000irgendwas Euro, sagt die Maklerin kurz und trocken. Jeden Monat. Ok. Das ist jenseits aller guten Geister. Keine Besichtigung nötig. Kalte Dusche, aufgewacht, kurz geschüttelt. 3000irgendwas Euro Miete für 140 m2. „Nur für Mauern!“ empört sich meine Freundin Emilia, „da hast du dich noch nicht gewaschen, gewärmt oder Licht angeknipst!“ – will sagen: ohne Wasser, Heizung, Strom. Nur Mauern. Lächerlich. Stimmt. Aber … egal. Es gibt sicher auch hübsche Plätze für kleineres Geld.

ruine-am-meer

Also: … was werde ich vermissen, wenn wir nicht mehr im Süden des Südens, auf dem letzten Zipfel Italien leben?

Schatzkiste aus dem Salento, die Erste:

Ganz, ganz sicher den 1. Mai und Kurumuny. Kurumuny ist ein altgriechisches Wort für den Sproß eines Olivenbaumes. Im Salento gibt es Olivenbäume, die sind vier-, fünfhundert Jahre alt. Mächtige, knorrige Denkmäler, wundersam verwachsen, die wie Weise still und erhaben zwischen Himmel und Erde wachen.

Kurumuny ist auch ein Stück Land im Herzen des Salento, das seit Urzeiten bewirtschaftet wird. Und der Platz, um in bester Tradition, den 1. Mai zu feiern. Man stelle sich ein buntes Frühlingsfest vor, alle dürfen kommen und tatsächlich kommen alle. Viele, viele gut gelaunte Freunde, die gemeinsam essen und trinken bis es nichts mehr gibt, singen und tanzen, ach, einfach das Leben feiern. Von morgens bis tief in die Nacht. Ein rundes Friede-Freude-Eierkuchen-Fest zwischen blühenden Wiesen, unter Feigen- und Olivenbäumen im Garten dieser alten Masseria, einem apulischen Landgut. Kinder kegeln herum, hängen in den Bäumen und bolzen auf der Wiese. Picknickkörbe werden ausgepackt, Grillduft zieht durch das Grün – wer schnell genug ist, kriegt noch ein Stück Fleisch, und wer seinen Becher rechtzeitig parat hält, bekommt ihn am Nebentisch mit Rotwein gefüllt. Regenbogenfarbene Friedens- und die rote Che Guevara-Fahnen flattern am Himmel. Irgendwo singen mehrstimmig alte Frauen, eine Truppe aus dem Senegal trommelt und wirbelt über den alten Dreschplatz, auf dem ansonsten salentinische Musikgruppen ihren Auftritt haben. Denn was wäre Kurumuny ohne Musik?

Ohne Pizzica?

tamburine

Wer immer ein Instrument spielt, bringt es mit, Gitarren, Geigen, Akkordeon und Tamubrine, jaah, auf jeden Fall Tamburine, die gehören im Salento zum Inventar eines anständigen Haushaltes. Frauen, meist Arbeiterinnen in den Tabakfeldern, die von der Tarantel gestochen worden waren, tanzten sich einst mit Pizzica in Trance. Eine Art Exorzismus, um sich von dem Gift der Spinne zu reinigen. Man könnte auch sagen: Befreiung.

Heute tanzen alle Pizzica. Wirklich alle. Oma und der coole Enkel, echte Freaks und aufgebrezelte Mädels. Pizzica ist Kult. Pizzicare heißt kneifen und wer einmal in einer lauen Sommernacht auf einer salentinischen Piazza vom tanzenden Mob aus mehreren Generationen und von den Rhythmen der Tamburine befallen wurde, den lässt diese Musik, Volks-Musik im besten Sinn, nicht mehr los.

Am 1. Mai hab ich vielleicht noch keine neue Wohnung, aber ich möchte definitiv nirgendwo anders anders sein, als genau dort. Kurumuny.

 

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… magico, Papa!

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Dies ist Mago Papa. Seit sechs Jahren hängt er an unserer Kühlschranktür, fast solange, wie wir in Lecce sind. Kolya hat ihn zur ersten Festa del Papa aus dem Kindergarten mit nach Hause gebracht und dazu ein zauberhaftes italienisches Gedicht zu Ehren seines Roman-Papa. Davon ahnten wir allerdings nichts, bis Kolya leise am Eßtisch irgendwas vor sich dahin brummelte. Roman und ich guckten uns an. Was spricht der Junge da? Der Junge sprach etwas lauter. Und er sprach italienisch.

Wir waren gerührt. Und stolz natürlich. Aber auch ein bisschen neidisch, denn unser damals vierjähriger Sproß hatte innerhalb von drei Monaten mal eben italienisch gelernt, während wir Eltern immer noch unsere Zungen weich spülten, um unser spanisch so ähnlich wie italienisch klingen zu lassen. Die Italiener um uns herum, fanden das höchst unterhaltsam, lobten uns, luden uns zum Essen ein und wir mühten uns weiter. Und mühen uns manchmal heute noch.

Kolya’s italienisch erschien uns dagegen magisch. Da saß plötzlich ein kleiner blonder Italiener vor uns. Unser Sohn. Zuhause sprechen wir deutsch – in jeder Hinsicht – und vom Kindergarten, seiner italienischen Welt da draußen, erlebten wir ja nur das morgendliche Ciao von zia Deborah oder zia Vicenza, von einer der Tanten, wie sich die Kindergärtnerinnen nennen: juchzend und strahlend wie ein Sommertag begrüßten sie den kleinen biondino, gerne auch mit Küßchen und Knuddeln, als ob die Tante ihren Lieblingsneffen grad drei Wochen nicht gesehen hatte. Jeden Morgen. Aus vollem Herzen. So lernt sich eine Sprache schnell.

Und so hängt Mago Papa immer noch an unserer Kühlschranktür hinter der sich mittlerweile immer ein großes Stück Parmigiano befindet und gerne auch Mozzarella und pikante Salami und ein Rest Tomatensugo und was man halt so braucht als Zuwanderer mit deutschem Hintergrund. Beispielsweise Papa-Roman’s Bier, gebraut nach deutschem Reinheitsgebot.

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… frühlingsfrisch

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Die Lokalzeitung Quotidiano meldet: La Festa del Papa nähert sich – am 19.3. wird San Giuseppe gefeiert, der Heilige Josef. Papa’s Festtag ist natürlich längst in Schulen und Kindergärten Thema, Gedichte werden gelernt, Urkunden gemalt und Dankesbriefe verfasst, um all die besten Papas der Welt zu ehren. Aber darum geht’s nicht. Der Quotidiano erinnert pflichtschuldig daran, dass dies die letzte Gelegenheit sei, noch einmal richtig zu schlemmen! Denn dann, meine Damen, wird es höchste Zeit, sich um die bella figura zu kümmern. Es ist schließlich März. Klingelt’s?

Laue Lüftchen, Licht, Vögelchen zwitschern und unser Käterchen dreht durch, muss raus, auf die Dachterrasse und sich mit dem roten Kater vom Nachbardach ankreischen und kloppen, dass wahrhaftig die Fetzen fliegen – offensichtlich sind Maikätzchen in Vorbereitung. Man mag es kaum glauben, öffnet auf der Piazza ungläubig die Winterjacke und lockert den Schal (ja, derlei Assescoires tragen auch wir in Süditalien). Zwar schleppen einige Damen sicherheitshalber auch bei irgendwas zwischen 15 und 20 Grad noch einmal (ziemlich unverfroren) den Pelz im Städtchen spazieren (zur Erinnerung: wir befinden uns in Süditalien), werden Kinder vorsichtshalber noch einmal in ihre Daunenjacken gestopft, aber die Zeichen sind offensichtlich: Frühling im Anzug. Und nach dem Frühling folgt unerbittlich der Sommer.

Da möchte man hoffnungsfroh durchatmen, sich die Sonne auf’s Gesicht scheinen lassen, und an den ersten weißen und gelben Blumenteppichen in den Olivenhainen erfreuen, doch wer will bitte schön mit weihnachtlichen Speckpölsterchen am Strand auftreten? Na also. Sportstudios füllen sich in diesen Tagen, locken am internationalen Frauentag mit kostenlosem Probetraining. Erste Besuche im Sonnenstudio und im kleinen Stadtpark drängeln sich plappernd dahintrabende Freundinnen in nagelneuen Joggingschuhen.

Man mag Italiener für die Leichtigkeit der Improvisation lieben, aber wenn es um die sommerliche bella figura geht, ist Schluß mit lustig. Der Sommer samt Ferienhaus am Meer, Sonnenschirm im Lido und eben die wohl definierte bella figura, werden generalstabsmässig vorbereitet. Wann, wenn nicht jetzt? Klar, im März.

Was mich beruhigt: Für’s Wochenende sind 8 (in Worten: acht!) Grad und Regen und satter Tramontana angesagt. So ziemlich das ekligste Wetter, das man sich hier so vorstellen kann. Wunderbar.

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