Posts from the ‘Politik’ category

Voodoo gegen Bunga Bunga – Tag 9

Nicht schlecht für den ersten Tag Voodoo: „Die Regierung stirbt – habt ihr eure Familien benachrichtigt?“ tönt es aus Rom. Sechs Matrosen vom „Volk der Freiheit“ haben tatsächlich einen Brief unterschrieben: Entweder es gibt eine breitere Mehrheit für die Regierung oder sie stimmen nicht mehr mit Berlusconi.
Drei von ihnen sind zur UDC geflüchtet, einer Art FDP, die gerne mal hier, mal da anbändelt und zur Zeit schwört, dass sie nicht mehr mit Berlusconi will. Falls die Briefschreiber ernst machen, wäre die Mehrheit dahin.
Abwarten. Das italienische Parlament ist ein gut bezahlter Swinger Club mit Überraschungsgästen und der Brief klingt schwer nach Schäfchen ins Trockene bringen. Oder doch schon: Rette sich wer kann?

Ein Hauch von „nach-Berlusconi“ wehte bereits gestern Abend durch das Land: Mit seiner neuen Politshow „Servizio Pubblico“ bewies Michele Santoro, dass Fernsehen heute auch ohne omnipotente Sendeanstalten möglich ist. Jahrelang hatte Santoro seine Talkshow „Anno Zero“ im Staatsfernsehen RAI verteidigt, gegen Maulkörbe und Zensur, permanente Angriffe von Berluscconi – persönlich oder via Rai-Chefetage, eingesetzt vom Regierungschef. Vor der Sommerpause reichte es Michele Santoro, sollte Berlusconi gesiegt haben?
Keineswegs. Mit den alten Bekannten von „Annozero“ und gewohnt kritischen Tönen steht Michele Santoro nun wieder vor der Kamera. „Servizio Pubblico“ wurde übertragen von digitalen Lokalsendern, Sky, einem Radiosender und vor allem via live stream im Internet. Ein crossmediales Abenteuer, finanziert von 100.000 Menschen, denen diese Kampfansage für die Meinungsfreiheit 10 Euro wert war. Wahrhaftig öffentlich-rechtliches Fernsehen in Italien, weder politischen noch kommerziellen Interessen, sondern „allein den Zuschauern verpflichtet“, verspricht Santoro. Die Quoten von gestern Abend sind prächtig: 12 Prozent Anteil im Fernsehen macht Platz 3 hinter den Schwergewichten von Rai Uno und Canale 5. Dazu 3,5 Millionen Kontakte im Internet.  „Dieses ist unsere kleine Revolution. Nicht rechts, nicht links, sondern zivil, demokratisch und friedlich.“

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Voodoo gegen Bunga Bunga – Tag 10

Lassen wir die allerletzten Skandale seit dem Sommer einfach mal liegen – es ging um Korruption und Klüngelei, Zuhälter, Huren und deren „Endverbraucher“ (das Copyright für die Verwendung des Wortes liegt in diesem Zusammenhang bei Berlusconis Anwalt Gheddini), es ist alles nachzulesen in abgründigen Abhörprotokollen und, um es kurz zu machen: der Endverbraucher ist noch immer Ministerpräsident von Italien. Und mit ihm seine Sippschaft im Parlament und außerhalb. Weiterlesen…

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Summertime …

Abtauchen und hoffen, dass die Luft reicht, bis ...?

Sommer in Italien – und das Leben zerbröselt … Wenn Anfang Juni die Schulferien beginnen, stiert man noch etwas ungläubig in den sommerlichen Abgrund, der sich da drei Monate lang und breit öffnet, dann lässt man sich langsam fallen, fallen, fallen und taumelt im August mit tutta bella Italia ins kollektive Koma am Meer. Jahr für Jahr, es ist wie ein Sog, sofern man nicht rechtzeitig über die Alpen geflüchtet ist. Weiterlesen…

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Si si si – so sehen Sieger aus …

Italien hat eine neue Geschichte:

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Si! Si! Si! Si!

Italien, im Juni 2011.
1. Berlusconi hat bei den Kommunalwahlen krachend verloren. Die Schuld? Schwache Kandidaten, behauptet der Premier, und tödlich wären auch Talkshows wie Annozero gewesen.
2. Der Fussballverband hat – mal wieder – einen kernigen Wettskandal: Für den gewünschten Endstand einiger Spiele der vergangenen Saison wurden Fussballer bestochen oder bekamen, wie originell (!), von Kollegen heimlich Schlafmittel verpasst. Weiterlesen…

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Na also, geht doch …

55 Prozent für den „linksradikalen“ Pisapia – Mailand hat einen neuen Bürgermeister. Signora Letizia Moratti hat bereits ihr Büro geräumt, heute Nachmittag haben sich die beiden die Hand gedrückt. Offizielle Amtsübergabe. Er strahlend, sie in Tränen. Und das ist erst der Anfang. Weiterlesen…

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Nur Mut. Alles wird gut?

Wenn Montag um 15 Uhr in vielen italienischen Städten die Wahllokale schließen, dann … die italienische Opposition trommelt schon mal … dann könnte alles anders werden, dann könnte alles möglich sein.  Dann … ja, was? Weiterlesen…

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Kurzer Prozess

Eigentlich, eigentlich wollte ich mal nicht über den Cavaliere schreiben, sondern über diese seidigen Frühlingstage Anfang April, den azurblauen Himmel, meine Tomatensamen, die auf der Terrasse sprießen, aber … Es gibt Tage, da lese ich die Zeitung mit einem stillen Seufzer und gehe zum Alltag über. Und andere, an denen bin ich erbost. So ein Tag ist heute. Weiterlesen…

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… er kommt … er kommt nicht … er kommt …

Es ist die Woche des Berlusconi. Am Mittwoch, dem 6. April beginnt Rubygate, der Prozess, in dem der Premier wegen Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger angeklagt ist. Könnte man ja denken, allein die Anklage reichte für einen Rücktritt. Oder die Tatsache, dass niemand leugnet, dass Berlusconi auf der Polizeiwache in Mailand angerufen und um die Freilassung von Ruby gebeten hat, als die Minderjährige wegen Diebstahl festgenommen worden war. Die Signorina sei die Nichte von Mubarak, erklärte der Premier. Da lachte später ganz Italien drüber. Berlusconi winkte ab – Halt stop! Das war jetzt grade kein Scherz! Seine Mehrheit im Parlament bekräftigte also: Berlusconi habe mit diesem freundlichen – aber doch ziemlich bestimmten – Anruf nur eine diplomatische Krise zwischen Ägypten und Italien verhindern wollen. Im Ernst, ohne rot zu werden.

Also, alles kein Grund zum Rücktritt, weder die unappetitlichen Details über Bunga Bunga Parties, noch die Tütchen, wohl gefüllt mit 500 Euro Scheinen, die die Mädchen nach eleganten Abendessen und sonstigen Vergnügungen mit nach Hause nahmen, vorzugsweise in eines der Appartments, für die Berlusconi die Miete zahlte. Eine Art Harem im Hochhaus. Dazu all die Protokolle von abgehörten Telefongesprächen, die wir mittlerweile sämtlich rezitieren können – es wird in dieser Woche noch einmal alles alles aufgekocht werden und Berlusconi wird wieder schnarren: alles erfunden, nichts als Vorverurteilungen der linken Presse, bin ein Verfolgter der roten, kommunistischen Richter aus Mailand … Angeblich will er persönlich im Gerichtssaal erscheinen. Den Prozess leiten übrigens drei Frauen und es wurde bereits gemunkelt, ob weibliche Richter nicht voreingenommen seien … wurde diese Frage jemals bei einem männlichen Richter in einem, sagen wir nur mal, Vergewaltigungsprozess, gestellt? Egal, Er wird gegenüber den drei Frauen und dazu noch der Staatsanwältin Ilda Boccadissini, die die Ermittlungen leitete,  seine Ehre verteidigen. Es riecht schwer nach ganz ganz großem Kino. Allein die Zeugenliste der Verteidigung verspricht schon einen roten Teppich: George Clooney, Elisabetta Canalis, Cristiano Ronaldo. The show must go on.

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Ein Mann – ein Haus

Das ist die neue Hütte des italienischen Ministerpräsidenten. Nein, nicht am Roten Meer, wo er mit dem ehrenwerten Onkel seiner Herzensbrecherin Ruby in den Ruhestand schnorcheln könnte. Ach was, Ruhestand, Berlusconi ist Unternehmer, ein Mann der Tat und das hat er heute einmal mehr allen gezeigt – live, auf allen Kanälen, bei schönstem Wetter auf der Mittelmeerinsel Lampedusa. Dort gibt es nämlich richtig was zu retten, und da lässt sich der von Skandalen und Prozessen gebeutelte Cavaliere nicht zweimal bitten. Vor Wochen schon hatte Minister Maroni vor diesem „Exodus“ gewarnt, vor der Flutwelle der afrikanischen Flüchtlinge, die über Italien hereinbrechen würde. Arabischer Frühling schön und gut, aber wer soll die alle durchfüttern? Nun sind sie tatsächlich gekommen und es werden noch mehr kommen und wie viele nicht angekommen, sondern auf der Überfahrt ertrunken sind, das will niemand wirklich wissen. Rund 5000 Flüchtlinge aus Nordafrika sind derzeit auf der winzigen Insel, Menschen für die es kaum Unterkünfte, Kleidung, Essen, sanitäre Anlagen gibt. Als ob sie plötzlich, wie ein Tsunami über Lampedusa hereingebrochen wären.

Viele Bewohner von Lampedusa sammeln Kleidung bringen Essen, das, was sie grade haben. Und Berlusconi? Der Papi mit dem großen Herzen für bedürftige Mädchen? Es werden Schiffe kommen, verspricht er, und die werden die Flüchtlinge abholen und in Zeltdörfer in ganz Italien verteilen – nicht in den Norden natürlich, denn das Klima nahe der Alpen bekommt den Afrikanern nicht, findet Umberto Bossi, Minister und Chef der Lega Nord. Und wenn sie alle weg sind, dann kommt das Militär und putzt die Insel. So wird’s gemacht, verspricht Berlusconi inmitten seiner Claqueure, innerhalb von ein oder zwei Tagen sei das Problem gelöst. Piazza pulita, tabula rasa mit den Flüchtlingen  – das glaubt ihr nicht? Na, wartet ab, welch lustige Überraschung sich der Regierungschef für seine Bürger von Lampedusa ausgedacht hat: Damit sie ihm vertrauen, muss er einer von ihnen werden. Wie bitte? Ganz einfach: Berlusconi hat sich gestern morgen kurzentschlossen ins Internet gehängt, eine Villa auf der Insel ausgegraben – und drei-zwei-eins-meins! – gekauft! Applaus brandet auf und da lacht er ausgelassen, der Silvio, dieser Schlawiner. Nun ist er einer von ihnen, ein echter Lampedusano. Ihre Probleme sind jetzt auch seine Probleme – ist das toll?

Über den Golfplatz und ein Casino, ja tatsächlich, ein Casino!, könnte man bei anderer Gelegenheit reden, versprach Silvio noch, vielleicht bei einer Partie Karten in seiner neuen  Villa „Due Palme“?  330 Quadratmeter, direkt am Strand mit Garten und lauschiger Terrasse, Kaufpreis unbekannt. Die eine und andere Million wird’s gekostet haben, Papi hat mal wieder große Spendierhosen angehabt. Nur nicht für die, die vor den Bomben seines Bunga-Bunga Freundes Ghedafi flüchteten, deren Not für ihn nicht mehr als die Kulisse für einen populistischen Auftritt ist. Tatsächlich wäre das Anwesen natürlich auch eine feine Notunterkunft. Im Zweifel für … naja, was die Ägypter geschafft haben, sollte in Italien nicht unmöglich sein.

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