Im Land, wo die Zitronen blühen …

… wollte ich eigentlich gar nicht leben. Aber dann verschlug es mich nach Apulien, auf den allerletzten Zipfel von Italien. Mein erster Roman konnte nur kriminell werden.

Eins vorweg: Ich wollte nie auswandern. Und schon gar nicht nach Italien. Reisen ja, immer schon, gerne, lange, weit – aber Italien? Existierte für mich nur auf der Durchreise zur Fähre nach Griechenland. Keine Schwärmerei für bellezza und dolce vita, Vespa und Venedig – alles spurlos an mir vorbeigezogen.

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„Tanz der Tarantel“ bei Dackel Norbert

Wedel.deTanzderTarantel


Auf Wedel.de , dem Online Portal meiner alten Heimat am Hamburger Stadtrand, hat Sabine Skibbe den „Tanz der Tarantel“ besprochen – und sich an meiner Jugend erinnert … 

„Schreiben ist anstrengend …“

 

Über das schreibende Leben hat mich die Kollegin Sarah Coppola-Weber für die Tessiner Zeitung interviewt

Pizzzica – neu aufgelegt

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„Oh Santu Paulu meeeuuuu te le tarante ….“ hallt es durch die Sommernacht, ein Tamburin rasselt, dann dumpfe Schläge wie der Rhythmus des Herzens, sie werden schneller und schneller, tosen über über die Piazza und bis niemand mehr still steht. Pizzica – die Musik des Volkes.

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Tanz der Tarantel – der Soundtrack

Jedes Buch hat einen Soundtrack. Eine Musik, die mich beim Schreiben ans Händchen nimmt und für eine Weile die vielen netten und lästigen Ablenkungen zur Seite schiebt, die jenseits des Schreibtisches lauern, von ungelesenen Zeitungen bis zu ungewaschenen Socken. Allerlei Verführungen, die verhindern, dass die nächsten drei Seiten oder fünf Sätze oder überhaupt irgendetwas geschrieben wird. Der Soundtrack entführt mich in die Welt, in der ich mich mit meinem belletristischen Personal vergnüge, in der ich dem Commissario hinterher laufe und versuche, seinen Gedanken zu folgen oder plötzlich eine Person auftaucht, die ruft: „Hallo, hallo! Ich will auch noch mitmorden!“

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… eine Schatzkiste

Was ich vermissen werde … wir haben zwar immer noch keine Wohnung in Genua – grad habe ich mit einer Maklerin telefoniert, die ein 140 m2 großes Haus am Meer vermietet – ach, was sage ich Haus am Meer, ein Traum, ein Schiff, das an der ligurischen Felsküste vor Anker liegt, sofern man den Fotos im Internet glauben darf. Alles weiß, dazwischen große Fenster, gleichsam lichte blaue Quadrate in weißen Mauern. Eine Terrasse wie eine Schiffsreling. Die Romanze kostet, na? 3000irgendwas Euro, sagt die Maklerin kurz und trocken. Jeden Monat. Ok. Das ist jenseits aller guten Geister. Keine Besichtigung nötig. Kalte Dusche, aufgewacht, kurz geschüttelt. 3000irgendwas Euro Miete für 140 m2. „Nur für Mauern!“ empört sich meine Freundin Emilia, „da hast du dich noch nicht gewaschen, gewärmt oder Licht angeknipst!“ – will sagen: ohne Wasser, Heizung, Strom. Nur Mauern. Lächerlich. Stimmt. Aber … egal. Es gibt sicher auch hübsche Plätze für kleineres Geld.

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Also: … was werde ich vermissen, wenn wir nicht mehr im Süden des Südens, auf dem letzten Zipfel Italien leben?

Schatzkiste aus dem Salento, die Erste:

Ganz, ganz sicher den 1. Mai und Kurumuny. Kurumuny ist ein altgriechisches Wort für den Sproß eines Olivenbaumes. Im Salento gibt es Olivenbäume, die sind vier-, fünfhundert Jahre alt. Mächtige, knorrige Denkmäler, wundersam verwachsen, die wie Weise still und erhaben zwischen Himmel und Erde wachen.

Kurumuny ist auch ein Stück Land im Herzen des Salento, das seit Urzeiten bewirtschaftet wird. Und der Platz, um in bester Tradition, den 1. Mai zu feiern. Man stelle sich ein buntes Frühlingsfest vor, alle dürfen kommen und tatsächlich kommen alle. Viele, viele gut gelaunte Freunde, die gemeinsam essen und trinken bis es nichts mehr gibt, singen und tanzen, ach, einfach das Leben feiern. Von morgens bis tief in die Nacht. Ein rundes Friede-Freude-Eierkuchen-Fest zwischen blühenden Wiesen, unter Feigen- und Olivenbäumen im Garten dieser alten Masseria, einem apulischen Landgut. Kinder kegeln herum, hängen in den Bäumen und bolzen auf der Wiese. Picknickkörbe werden ausgepackt, Grillduft zieht durch das Grün – wer schnell genug ist, kriegt noch ein Stück Fleisch, und wer seinen Becher rechtzeitig parat hält, bekommt ihn am Nebentisch mit Rotwein gefüllt. Regenbogenfarbene Friedens- und die rote Che Guevara-Fahnen flattern am Himmel. Irgendwo singen mehrstimmig alte Frauen, eine Truppe aus dem Senegal trommelt und wirbelt über den alten Dreschplatz, auf dem ansonsten salentinische Musikgruppen ihren Auftritt haben. Denn was wäre Kurumuny ohne Musik?

Ohne Pizzica?

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Wer immer ein Instrument spielt, bringt es mit, Gitarren, Geigen, Akkordeon und Tamubrine, jaah, auf jeden Fall Tamburine, die gehören im Salento zum Inventar eines anständigen Haushaltes. Frauen, meist Arbeiterinnen in den Tabakfeldern, die von der Tarantel gestochen worden waren, tanzten sich einst mit Pizzica in Trance. Eine Art Exorzismus, um sich von dem Gift der Spinne zu reinigen. Man könnte auch sagen: Befreiung.

Heute tanzen alle Pizzica. Wirklich alle. Oma und der coole Enkel, echte Freaks und aufgebrezelte Mädels. Pizzica ist Kult. Pizzicare heißt kneifen und wer einmal in einer lauen Sommernacht auf einer salentinischen Piazza vom tanzenden Mob aus mehreren Generationen und von den Rhythmen der Tamburine befallen wurde, den lässt diese Musik, Volks-Musik im besten Sinn, nicht mehr los.

Am 1. Mai hab ich vielleicht noch keine neue Wohnung, aber ich möchte definitiv nirgendwo anders anders sein, als genau dort. Kurumuny.

 

… frühlingsfrisch

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Die Lokalzeitung Quotidiano meldet: La Festa del Papa nähert sich – am 19.3. wird San Giuseppe gefeiert, der Heilige Josef. Papa’s Festtag ist natürlich längst in Schulen und Kindergärten Thema, Gedichte werden gelernt, Urkunden gemalt und Dankesbriefe verfasst, um all die besten Papas der Welt zu ehren. Aber darum geht’s nicht. Der Quotidiano erinnert pflichtschuldig daran, dass dies die letzte Gelegenheit sei, noch einmal richtig zu schlemmen! Denn dann, meine Damen, wird es höchste Zeit, sich um die bella figura zu kümmern. Es ist schließlich März. Klingelt’s?

Laue Lüftchen, Licht, Vögelchen zwitschern und unser Käterchen dreht durch, muss raus, auf die Dachterrasse und sich mit dem roten Kater vom Nachbardach ankreischen und kloppen, dass wahrhaftig die Fetzen fliegen – offensichtlich sind Maikätzchen in Vorbereitung. Man mag es kaum glauben, öffnet auf der Piazza ungläubig die Winterjacke und lockert den Schal (ja, derlei Assescoires tragen auch wir in Süditalien). Zwar schleppen einige Damen sicherheitshalber auch bei irgendwas zwischen 15 und 20 Grad noch einmal (ziemlich unverfroren) den Pelz im Städtchen spazieren (zur Erinnerung: wir befinden uns in Süditalien), werden Kinder vorsichtshalber noch einmal in ihre Daunenjacken gestopft, aber die Zeichen sind offensichtlich: Frühling im Anzug. Und nach dem Frühling folgt unerbittlich der Sommer.

Da möchte man hoffnungsfroh durchatmen, sich die Sonne auf’s Gesicht scheinen lassen, und an den ersten weißen und gelben Blumenteppichen in den Olivenhainen erfreuen, doch wer will bitte schön mit weihnachtlichen Speckpölsterchen am Strand auftreten? Na also. Sportstudios füllen sich in diesen Tagen, locken am internationalen Frauentag mit kostenlosem Probetraining. Erste Besuche im Sonnenstudio und im kleinen Stadtpark drängeln sich plappernd dahintrabende Freundinnen in nagelneuen Joggingschuhen.

Man mag Italiener für die Leichtigkeit der Improvisation lieben, aber wenn es um die sommerliche bella figura geht, ist Schluß mit lustig. Der Sommer samt Ferienhaus am Meer, Sonnenschirm im Lido und eben die wohl definierte bella figura, werden generalstabsmässig vorbereitet. Wann, wenn nicht jetzt? Klar, im März.

Was mich beruhigt: Für’s Wochenende sind 8 (in Worten: acht!) Grad und Regen und satter Tramontana angesagt. So ziemlich das ekligste Wetter, das man sich hier so vorstellen kann. Wunderbar.